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Grundlagen

Zolltarifnummer Schweiz: Tasisnummer und Besonderheiten

Die Schweiz nutzt die 8-stellige Tasisnummer statt der EU-Nomenklatur. Aufbau, Unterschiede zum EU-System und wo Sie die Nummer finden.

Von Jonas Bayer·11. März 2026·4 Min. Lesezeit

Zolltarif in der Schweiz: Ein eigenes System

Die Schweiz ist kein EU-Mitglied und verwendet ein eigenes Zolltarifsystem. Während die EU auf die Kombinierte Nomenklatur (KN) und den TARIC setzt, arbeitet die Schweiz mit der Tasisnummer – einer 8-stelligen Warennummer, die auf dem gleichen internationalen Fundament basiert, aber ab der 7. Stelle eigene Wege geht.

Wer Waren in die Schweiz exportiert oder aus der Schweiz importiert, muss diese Unterschiede kennen: Die falsche Nummer führt zu falschen Zollsätzen und verzögert die Zollabfertigung.

Gemeinsamkeit: Das Harmonisierte System

Wie die EU basiert auch der Schweizer Zolltarif auf dem Harmonisierten System (HS) der Weltzollorganisation. Die ersten sechs Stellen sind daher identisch:

  • Ein Smartphone hat weltweit den HS-Code 851713 – in der EU, in der Schweiz, in den USA und in China.
  • Eine Jeans aus Baumwolle für Männer hat weltweit den HS-Code 620342.

Ab der siebten Stelle unterscheiden sich die Systeme.

Aufbau der Tasisnummer

Die Schweizer Zolltarifnummer – offiziell Tasisnummer – ist 8-stellig: Stellen 1–6 sind der HS-Code (international), Stellen 7–8 die nationale Unterposition der Schweizer Zollverwaltung (BAZG).

MerkmalSchweizEU
BasisHS (6-stellig)HS (6-stellig)
Nationale ErweiterungTasisnummer (8-stellig)KN (8) + TARIC (10) + nat. Code (11)
Stellen gesamt811 (bei Einfuhr nach DE)
Zuständige BehördeBAZGEU-Kommission + nationale Zollbehörden
AktualisierungJährlich zum 1. JanuarKN jährlich, TARIC laufend

Gleiche Ware, unterschiedliche Nummern

Beim gerösteten Kaffee sind die Nummern praktisch identisch:

SystemCodeErklärung
HS-Code (weltweit)0901.21Kaffee, geröstet, nicht entkoffeiniert
EU KN-Code0901.21.00Keine weitere KN-Unterteilung
EU TARIC-Code0901.21.00.00Keine besonderen EU-Maßnahmen
Schweiz Tasisnummer0901.2100Schweizer Unterteilung (hier identisch)

Bei Bekleidung zeigt sich der Unterschied deutlicher:

SystemCode für Herrenjeans aus Denim
HS-Code6203.42
EU KN-Code6203.42.31
Schweiz Tasisnummer6203.4290

Die Stellen 7–8 sind völlig unterschiedlich. Eine EU-Nummer kann nicht für die Schweizer Zollanmeldung übernommen werden und umgekehrt.

Zollsätze in der Schweiz

Die Schweiz erhebt Zölle grundsätzlich anders als die EU. Statt Wertzöllen (Prozent vom Warenwert) verwendet sie traditionell Gewichtszölle – also einen Betrag pro Kilogramm. Beispiel: Wo die EU 12 % vom Zollwert berechnet, verlangt die Schweiz CHF 15.00 pro 100 kg Bruttogewicht.

Seit dem 1. Januar 2024 hat die Schweiz die Zölle auf Industriegüter allerdings weitgehend abgeschafft. Für die meisten Waren der Kapitel 25–97 beträgt der Zollsatz nun CHF 0.00. Landwirtschaftliche Produkte (Kapitel 01–24) unterliegen dagegen weiterhin hohen Schutzzöllen.

Wo finde ich die Tasisnummer?

Das offizielle Nachschlagewerk ist Tares, der elektronische Zolltarif des BAZG: xtares.admin.ch. Dort finden Sie die vollständige 8-stellige Tasisnummer, den Zollsatz und die Bewilligungspflichten.

Für EU-Nummern zum Vergleich: Zollhub. Beachten Sie, dass nur die ersten 6 Stellen zwischen EU und Schweiz übereinstimmen.

Freihandelsabkommen EU–Schweiz

Die Schweiz und die EU haben ein Freihandelsabkommen (FHA), das seit 1973 in Kraft ist. Es gewährt für viele Waren Zollfreiheit oder reduzierte Zollsätze – sofern drei Voraussetzungen erfüllt sind:

  1. Präferenzieller Ursprung – die Ware muss ihren Ursprung in der EU oder der Schweiz haben
  2. Ein gültiger Ursprungsnachweis (EUR.1, Ursprungserklärung oder REX-Erklärung)
  3. Direktbeförderung (oder zulässiger Transit)

Das FHA ermöglicht auch eine bilaterale Kumulierung: Vormaterialien aus der EU können bei der Herstellung in der Schweiz als Ursprungsmaterialien angerechnet werden und umgekehrt. Über die PEM-Konvention (Pan-Euro-Med) ist auch eine diagonale Kumulierung mit weiteren Partnerländern möglich.

Besonderheiten des Schweizer Zollsystems

Die Schweizer Zollverwaltung heißt seit 2022 BAZG (Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit), vorher EZV (Eidgenössische Zollverwaltung). Bei der Einfuhr wird neben dem Zoll die Einfuhrsteuer (MWST) erhoben – derzeit 8,1 % (Normalsatz) oder 2,6 % (reduzierter Satz).

Wie die EU kennt auch die Schweiz den aktiven und passiven Veredelungsverkehr. Die Tasisnummer ist auch bei diesen Verfahren relevant.

Häufige Fragen

Ist die Zolltarifnummer in der Schweiz die gleiche wie in der EU?

Nur die ersten sechs Stellen (HS-Code). Ab Stelle 7 verwendet die Schweiz eigene Unterteilungen. EU-Nummern können nicht direkt für Schweizer Zollanmeldungen verwendet werden.

Muss ich als EU-Exporteur die Tasisnummer kennen?

Für die EU-Ausfuhranmeldung genügt der 8-stellige KN-Code. Aber der Schweizer Zoll erwartet die Tasisnummer – wenn Sie sie nicht kennen, sollte Ihr Spediteur oder Zollagent in der Schweiz sie ermitteln.

Was ist der Unterschied zwischen Tares und EZT?

Tares ist der elektronische Zolltarif der Schweiz (BAZG). Der EZT ist das Pendant in Deutschland (Generalzolldirektion). Beide basieren auf dem HS, verwenden aber unterschiedliche nationale Erweiterungen ab Stelle 7.

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Jonas Bayer

Co-Founder

Mitgründer von Zollhub. Spezialisiert auf die Digitalisierung von Zollprozessen und KI-gestützte Tarifierung.

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